Der mühsame Gipfelaufstieg der Landratskandidaten/-in
Verfasser Andre Goldenstein, Barstede (CDU-Ihlow)
Eine Frau und drei Männer wollen an die Spitze des Landkreises Aurich. Doch Platz ist nur für eine Person.
Am Montag, den 7. September, um 19 Uhr trafen sich im Fehnmuseum Eiland in Westgroßefehn vier Kandidaten/-in zur Podiumsdiskussion um das Amt des Landrats beziehungsweise der Landrätin im Landkreis Aurich.
Organisiert wurde die Veranstaltung von Hinrich Tjaden aus Lübbertsfehn. Als Moderator führte Heiko Andreesen, Junglandwirt aus Ulbargen, durch den Abend.
Auf dem Podium saßen: Dr. Edith Ulferts (CDU), Olaf Wildfang (SPD), Detlev Krüger (Freie Wähler)
und Helmut Emkes (FDP).
Schon vor Beginn der Podiumsdiskussion war ein Thema unter den zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauern Gesprächsthema Nummer eins:
Sachsen-Anhalt.
Mein persönlicher Appell an alle Leserinnen und Leser: Gehen Sie mit
Ihrer Wählerstimme bei der Kommunalwahl bewusst und demokratisch
um. Unsere Kreis-, Gemeinde- und Stadtbehörden sind in vielen
Bereichen lediglich die ausführenden Organe von Bund und Land.
Wie ich immer sage: Wir sind in Ihlow beziehungsweise im Landkreis
Aurich – und nicht in Berlin.
Heiko Andreesen nimmt die Kandidaten/-in ins Kreuzverhör
Moderator Heiko Andreesen machte es den Landratskandidaten und der Landratskandidatin nicht einfach.
Seine erste und zugleich persönliche Frage hatte es direkt in sich:
Wie schaffen wir es als Landkreis, die Klimaschutzvorgaben des Landes – insbesondere im Bereich der Wiedervernässung – umzusetzen, ohne dabei die Existenzgrundlage unserer heimischen Landwirtschaft zu gefährden?
Alle Kandidaten und die Kandidatin fanden schnell ins Gespräch. Doch längst nicht alle Antworten konnten die Zuhörerinnen und Zuhörer überzeugen. Das wurde spätestens bei den späteren Fragen aus dem Publikum deutlich.
Der Wolf Bei der zweiten Themenrunde ging es um Wolf, Weidetierhaltung und Küstenschutz. Hier bewegten sich gleich drei Kandidaten auf ziemlich dünnem Eis.
Dr. Edith Ulferts konnte die Situation aus ihrer Sicht schnell einordnen und klarstellen, dass der Wolf seit April 2026 im Bundesjagdrecht geführt wurde und die untere Jagdbehörde für entsprechende Abschussentscheidungen zuständig sei.
Finanzen Olaf Wildfang mit Heimvorteil
Beim Thema Finanzen hatte Olaf Wildfang, der als Rechnungsprüfungsleiter beim Landkreis Aurich tätig ist, aus meiner Sicht die Nase vorn.
Doch auch die anderen Kandidaten und die Kandidatin konnten mit positiven und konstruktiven Ansätzen punkten.
Es wurde deutlich:
Jeder brachte seine eigenen Erfahrungen und Schwerpunkte mit auf das Podium.
Gesundheit, Pflege und Zentralklinik
Spannend wurde es auch bei den Themen Gesundheit, Soziales, Pflege und Zentralklinik.
Dr. Edith Ulferts konnte hier ihr langjähriges Fachwissen aus verschiedenen Leitenden Verwaltungstätigkeiten in Deutschland einbringen.
Detlev Krüger punktete mit seinem Engagement im Landkreis Aurich, während Olaf Wildfang mit passenden Zahlen und Fakten präsentierte.
Bei der Frage nach der gesellschaftlichen Entwicklung nutzte Helmut Emkes die Gelegenheit, erneut die aus seiner Sicht schlechte Entwicklung beim Glasfaserausbau im Landkreis Aurich zu kritisieren.
Wenn der Ton rauer wird
Zum Ende der Veranstaltung kam noch ein Thema auf den Tisch, das zunehmend an Bedeutung gewinnt: die steigende Aggressivität von Bürgerinnen und Bürgern im Kreishaus und in anderen behördlichen Einrichtungen.
Auch hier wurde deutlich, dass der Umgang miteinander eine wichtige gesellschaftliche Herausforderung ist. Verwaltung und Bürger stehen sich schließlich nicht als Gegner gegenüber. Ein respektvoller und sachlicher Umgang sollte die Grundlage unseres demokratischen Zusammenlebens sein.
Mein Fazit
Die Podiumsdiskussion war insgesamt konstruktiv und informativ. Jeder der vier Kandidaten beziehungsweise die Kandidatin beteiligte sich aktiv an den Fragen von Moderator Heiko Andreesen und brachte seine beziehungsweise ihre Sichtweise ein.
Ob die Antworten letztlich auch die Wählerinnen und Wähler überzeugen konnten, wird sich zeigen.
Der mühsame Gipfelaufstieg zum Landratsamt hat jedenfalls begonnen. Vier Personen wollen nach oben – doch am Ende ist nur ein Platz an der Spitze des Landkreises Aurich zu vergeben.
Eine Frage zum Schluss
Benötigt ein Landrat oder eine Landrätin eigentlich eine spezielle Ausbildung?
Nein. Grundsätzlich kann sich jeder beziehungsweise jede, der oder die die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, für das Amt des Landrats beziehungsweise der Landrätin zur Wahl stellen. Über die Zulassung zur Wahl entscheiden die zuständigen Wahlorgane nach den gesetzlichen Vorgaben.
Politische Vorkenntnisse, beispielsweise durch eine Tätigkeit im Kreistag oder Gemeinderat, sind sicherlich empfehlenswert. Ebenso wertvoll können langjährige berufliche Erfahrungen im Verwaltungswesen sein.
Doch am Ende entscheidet der wichtigste Teil unserer Demokratie: die Wählerinnen und Wähler.
Sie entscheiden darüber, wer künftig an der Spitze des Landkreises Aurich stehen soll.
